Posted on

Muss OpenData gratis sein?

Thomas Langkabel stellt auf dem Blog “government 2.0 netzwerk deutschland” die provokante Frage, ob für die Bereitstellung behördlicher Daten (OpenData) Gebühren erhoben werden dürfen oder sogar müssen. Schließlich fallen dafür unbestritten Kosten in der Verwaltung an, die der Steuerzahler zu berappen hat. Eine sehr spannende Diskussion ist dort entbrannt.

Die Antwort darauf kann aber nur lauten: NEIN, keine Gebühren! JA, gratis für alle!

Dies erschließt sich konkludent aus der fundamentalen – und am Ende einzigen – Aufgabe des demokratischen Staates, durch Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen das gesamte Leben seiner Bürger aus deren Kollektivsicht im Rahmen des aktuell gültigen Wertegerüsts nachhaltig zu optimieren.

Ausnahmslos jede Aktivität kostet den Einsatz von Ressourcen in Form von Arbeit und/oder Kapital und damit Geld (zumindest Alternativkosten), egal ob es sich um die Pflege des eigenen Gartens, die Produktion und Bereitstellung knapper Güter am Markt, die Errichtung öffentlicher Infrastruktur oder die Veröffentlichung von Daten öffentlicher Köperschaften handelt.

Ist aber der Einzelne angehalten, seine Leistungen nach den Regeln von Angebot und Nachfrage am Markt gegen Entgelt (Gegenleistung) anzubieten, um damit einerseits seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und andererseits durch iterative Verbesserung der wirtschaftlichen Effektivität die gesellschaftliche Evolution voranzutreiben, hat der Staat die Aufgabe, das Umfeld dieser privatwirtschaftlichen Aktivitäten so zu gestalten, dass eine möglichst hohe und ressourceneffiziente Wertschöpfung mit den begehrten Folgen eines hohen Beschäftigungsgrads und eines hohen Wohlstandsniveaus für die Gesellschaft entsteht.

Auf vielen Feldern passiert das nicht nur durch die kostenlose Bereitstellung staatlicher Leistungen sondern darüber hinaus sogar durch massive Unterstützung bestimmter gewollter Entwicklungen im Rahmen kommunaler, staatlicher oder europaweiter teilweise millionenschwerer Förderprogramme.

Es ist daher lediglich der politische Konsens herzustellen, ob OpenData eine sinnvolle Maßnahme zur Erreichung dieses grundsätzlichen gesellschaftlichen Zieles ist, oder nicht. Ob dadurch Wertschöpfung, Beschäftigungsquote, demokratische Entwicklung, Bildungsniveau, gesellschaftliche Komplexität oder einfach die internationale Konkurrenzfähigkeit verbessert werden kann oder nicht. Diese Frage wird derzeit vielerorts erörtert, und so manches kritische Auge ist wohl gerade neugierig auf die einschlägigen Auswirkungen in den USA, Großbritannien, Australien und Neuseeland gerichtet, um sie schlüssig zu beantworten.

Wenn sie aber schließlich mit JA beantwortet wird, was ich persönlich annehme, stellt sich nicht mehr die Frage der Kostentragung. Dann ist OpenData eine öffentliche Aufgabe des Wohlfahrtsstaats auf allen Ebenen, der damit im Rahmen seiner budgetären Ressourcenzuteilung die Voraussetzungen für die Optimierung der Auswirkungen zu schaffen hat.

Die Bereitstellung der Daten kann durchaus – Ressourcen sind begrenzt – in einfacher, sehr kostengünstiger Form erfolgen. Niemand braucht eine hoch strukturierte Autobahn zu den behördlichen Datenbanken. Die Verbindung der ersten steinzeitlichen Dörfer zum zaghaften wirtschaftlichen Austausch erfolgte wohl auch nur durch einen Trampelpfad. Die Einhaltung der 8 wesentlichen Grundsätzen ist nicht schwer und überfordert auch in schwierigen Zeiten nicht die Organisation und die Ressourcen staatlicher Organisationen. Es genügt, das Scheunentor zu öffnen und die draußen wartenden Besucher des OpenData-Flohmarkts freundlich zu begrüßen. Den Rest erledigt der Markt.

Arno Abler
CommunalConsult Tirol

Posted on

OpenGovernmentData ist globaler Megatrend

Derzeit wogt ein Paradigmenwechsel wie ein Tsunami durch die Verwaltungseinrichtungen der westlichen Demokratien. Die traditionelle Geheimhaltung und Vertraulicheit behördeninterner Datenbestände erodiert zugunsten erheblicher Transparenz. Dabei werden aller Orten radikal Daten, die nicht dem Datenschutz unterliegen, strukturiert öffentlich zugänglich gemacht. Was steckt wohl hinter diesem Umbruch?

Amerikas Obama-Regierung hat es vorgemacht und Hunderte Datenbanken auf nationaler, bundesstaatlicher und kommunaler Ebene veröffentlicht. Seitdem geht das Projekt OpenData um die Welt. Es wird dabei das generelle Ziel verfolgt, sämtliche nicht-personenbezogenen, für die Öffentlichkeit relevanten Behörden-Daten über das Internet jedermann frei zugänglich und elektronisch nutzbar zu machen.

Großbritannien hat auf Initiative von Premierminister David Cameron vor nicht allzu langer Zeit ebenfalls einen extrem weitreichenden Beschluss dazu gefasst und ist damit Vorreiter in Europa. Aber auch die Weltbank und die UNO haben bereits ihre Datenbestände nach dem OpenData-Prinzip öffentlich zugänglich gemacht. Fast wöchentlich kommen neue Institutionen dazu. Auch Deutschland hat vor wenigen Tagen wie in diesem Blog berichtet in seinem Regierungsprogramm “Vernetzte und transparente Verwaltung” ein erstes Bekenntnis zu OpenGovernmentData abgegeben.

Auch in Österreich hat man diesen Trend dort und da bereits erkannt. So möchte die Region Linz zur ersten Open-Commons-Region Europas werden und hat im Mai 2010 ihr lesenswertes Programm für dieses Projekt veröffentlicht. Federführend bemüht sich auch die Initiative “Open Government Data Austria” darum, hierzulande den Anschluss nicht zu verpassen.

Der enorme Datenschatz der öffentlichen Hand kann nämlich – richtig eingesetzt – zu einem veritablen Konjunkturtreiber werden, wie Beispiele aus England bereits zeigen, wo unterschiedliche Datenbestände durch von Bürgern und Unternehmen entwickelte Anwendungen zu zahlreichen neuen, wertschöpfenden Inhalten verknüpft werden.

Fast möchte man diese Bewegung mit dem Fall der Berliner Mauer vergleichen, aber man kann dabei auch einiges falsch machen, was später nur schwer zu korrigieren ist. Dieses Projekt sollte daher nicht Hals über Kopf und auch nicht halbherzig angegangen werden, nur um eben auch im ersten Waggon zu sitzen, sondern beherzt und trotzdem mit Bedacht.

Zu beachten sind bei der Veröffentlichung der Daten einige ganz wesentliche Punkte:

  • Offenheit
    Die Daten müssen frei, kostenlos und ohne einschränkende Lizenzen für jedermann auch kommerziell nutzbar sein. Dabei sollte man ruhig auch Feedback vorsehen und möglich machen, um die Datenqualität zu verbessern. Es ist dabei irrelevant, WER die Informationen nutzt – offen ist eben offen!
  • Maschinenlesbarkeit
    Die Daten müssen in standardisiertem (XML-)Format verfügbar gemacht werden, um sie mit EDV-Programmen unmittelbar vernetzen und automatisiert auswerten zu können. Erst aus der intelligenten Kombination der verfügbaren Daten (Mashup) entsteht der echte Mehrwert.
  • Granularität
    Die Daten müssen in ihrer fundamentalen, nicht aggregierten Form verfügbar sein, um alle erdenklichen Auswertungen zuzulassen. Nicht fertige Statistiken oder andere bereits ausgewertete Formen der Daten sind gefragt sondern die zugrunde liegenden Rohdaten in ihrer essenziellen Form.
  • Schnelligkeit
    Die Daten müssen rasch und ohne Hürden (Registrierung, Login, Zertifizierung, Bonitätsprüfung, etc.) verfügbar sein, um sie maschinell verknüpfen und in Echtzeit verwenden zu können. Eine händische Einbettung bestimmter Daten in dafür vorgesehene Webseiten wäre dafür völlig unzulänglich. Es braucht ein intelligentes medienbruchfreies und vollständig autamatisiertes Framework, um Nachhaltigkeit und Effizienz sicherzustellen – hier ist kein Platz für Halbherzigkeiten!
  • Auffindbarkeit
    Die Daten müssen einfach und strukturiert zu finden sein. Es empfiehlt sich ein zentraler nationaler, zumindest aber landesweiter Service mit klar nachvollziehbarer Verzeichnisstruktur. Für einen effizienten Suchalgorithmus kann man dabei ruhig ein bisschen über den Gartenzaun linsen zu Google, amazon.com, eBay und Consorten, welche die Auffindbarkeit von Daten perfektioniert haben.

Ideale Anwendungen für OpenGovernmentData wären zum Beispiel Finanzdaten aus Budgets und Rechnungsabschlüssen, alle erdenklichen GIS-Daten, Einwohnerzahlen, aktuelle Umweltmesswerte direkt von den Messstationen, Walddaten, Pegelmesswerte, Verkehrsdaten oder Nächtigungsdaten aus dem Meldewesen, letztere aber, da personenbezogen, natürlich in anonymisierter, dem Datenschutzrecht entsprechender Form. Die Daten aller drei föderalistischen Ebenen (Bund, Länder und Gemeinden) sind gleichermaßen dafür geeignet.

Jedenfalls muss im Zuge der globalen Entwicklungen auch in Österreich möglichst rasch politisch überlegt werden, wie man mit dem Thema OpenGovernmentData künftig umgehen will. Die Frage ist dabei weniger, OB man mitmachen möchte, dafür sorgt mittelfristig der demokratische Prozess ganz von allein. Velmehr stellt sich die Frage, WIE man dieses enorme Potenzial als möglichst kräftigen Schub für die Entwicklung des Staates, für die Wohlfahrt, die Belebung der Wirtschaft oder die Nutzung von Bürgerressourcen mit maximalem Nutzen für den Staat als Ganzes einsetzen kann und vor allem, WANN man auf diesem Sektor Akzente setzen will. Je früher, desto größer der zu erwartende Wirtschaftsimpuls und wohl auch die Reputation im internationalen Staatenkonzert.

Eine beherzte OpenData-Offensive würde Österreich als eGovernment-Europameister jedenfalls nicht schlecht zu Gesicht stehen.

Arno Abler
CommunalConsult Tirol

Posted on

OpenGovernment in Deutschland

Die deutsche Bundesregierung hat am 18. August in Anlehnung an die nationale eGovernment-Strategie das Regierungsprogramm “Vernetzte und transparente Verwaltung” beschlossen. Das zukunftsweisende Programm zielt mit 20 konkreten Maßnahmen zwar vordergründig nur auf die Bundesverwaltung ab, fordert aber neben der horizontalen auch eine vertikale, ebenenübergreifende Kooperation sowie die Einrichtung von gemeinsamen Kompetenz- und Dienstleistungszentren (Shared Service Centers). Unter anderem soll ein neu zu erstellendes Organisationskonzept zur elektronischen Verwaltungsarbeit (E-Verwaltung) das bisherige DOMEA-Konzept ablösen.

Augenfällig in dem Papier und prinzipiell für alle Verwaltungsebenen sinnvoll ist die Forderung, den aktuellen Leistungskatalog und die Abwicklung der Leistungserbringung der einzelnen Behörden kritisch zu überprüfen. Dies führt zu einer grundsätzlichen Aufgabenkritik und in der Folge zu einer Evaluierung der konkreten Verwaltungsabläufe (Prozesse). Dies wiederum zieht unweigerlich nach sich, dass die traditionell funktionalen, hierarchischen Verwaltungsstrukturen zugunsten einer horizontalen, prozessorientierten Ausrichtung in den Hintergrund treten.

Eine ähnliche Änderung der Sichtweise ist auch in Österreich notwendig, aber auch schon dort und da im Gange – Erkenntnisse zur Definition moderner Verwaltungsorganisationen, die im Konzept des New Public Management bereits in den 80er Jahren aufgezeigt wurden. Diese Neuorientierung ist Grundvoraussetzung für ein effizientes, leistungsfähiges eGovernment-Framework.

Besondere Beachtung im deutschen Regierungsprogramm verdient auch das erstmalige Bekenntnis zu OpenData und OpenGovernment. Nach den Vorbildern USA und Großbritannien will nun auch Deutschland damit beginnen, Daten der öffentlichen Hand auch tatsächlich öffentlich zugänglich zu machen und wird damit Innovationen, Arbeitsplätze und Wertschöpfung auslösen. Dazu fehlt in Österreich bis dato nicht nur das Commitment sondern auch eine einschlägige politische Diskussion, die aber mit Sicherheit nicht lange auf sich warten lassen wird.

Arno Abler
CommunalConsult Tirol